Beratungsbranche

Quo vadis Consulting? – die Transformation der Beratungsbranche

Digitale Transformation. Industrie 4.0. Big Data. Fast keine Branche, an welcher diese Entwicklungsschübe aktuell nicht ohne Spuren vorüberziehen. Und die Beratung? Diese befindet sich ebenfalls im Sog der Technik, verändert sich Schritt für Schritt. Aktuell beschäftigt sich die deutsche Ausgabe des Magazins Harvard Business Manager mit der Transformation der Consulting-Industrie. Seit diesen Montag liegt das Heft im (online) Geschäft aus. Ich habe ein Blick auf die Artikelserie geworfen und fasse im Beitrag die zentrale Punkte zusammen.

Die Transformation der Beratungsbranche

„Projekt Berater 4.0“ titelt der aktuell erhältliche Harvard Business Manager (HBM) 03/2017* und spendiert der Aussage die Unterschrift: „Wie Digitalisierung, anspruchsvolle Kunden und der Trend zur Kooperation das Geschäft der Consultants verändern“.

Berater 4.0. Das liest sich wie Industrie 4.0. Ganz und gar technisch. Doch ist es wirklich nur die IT, welche die Beraterzunft antreibt, formt und gänzlich neu ordnet? Nicht ausschließlich, aber zu einem großen Teil. Die HBM Redaktion identifiziert weitere Trends die ich nachfolgend kurz zusammenfasse.

Fakt 1: Der Beratungsmarkt wächst weiter

Zwischen 2005 bis 2015 hat sich laut dem Manager Magazin (= Schwesternjournal vom HBM) der Markt für Beratungsleistung auf 30 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Insbesondere McKinsey, The Boston Consulting Group (BCG) sowie Bain wuchsen mit zweistelligen Raten. Auch das Business der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young (EY), Deloitte, KPMG und PwC steigerten seinen Umsatz zwischen 2010 und 2015 um rund 64 Prozent. Hinzu kommen etliche Neugründungen von kleinen und mittelständischen Beratungen. „Consulting booms“ würde der noch zu EU gehörende Brite sagen.

Fakt 2: Kunden treiben die Transformation der Consulting-Industrie

Viele Berater arbeiten inzwischen in der Industrie, bringen ihr Wissen im (Top-)Management ein. Über Beraterplattformen wie Comatch oder Consultingsearcher wird der Markt für Beratungsleistungen transparenter. Hinzu kommen die Inhouse-Consulting-Abteilungen, 2017 in mehr und mehr Unternehmen zu finden. Alle drei Strömungen führen dazu, dass Kunden auf Augenhöhe mit den Consultants agieren. Beratung wird „Commodity“ urteilt der HMB, stellt aber den weiteren Bedarf nach exzellent ausgebildeten Consulting-Fachkräften heraus.

Fakt 3: Zunehmender Bedarf nach IT-Beratung

Technologie-Fragen halten die Industrien im Atem. Und damit auch die Beraterbranche. Die HBM Redakteure unterstreichen, dass 2017 insbesondere Bedarf nach Konzepten zur Digitalisierung, Big Data, künstliche Intelligenz, Roboter, etc. bestehe. Auf einer Lebenszyklus-Kurve illustrieren die Redakteure wachsende (z.B. Industrie 4.0, Mobility), dominierende (z.B. disruptive E-Commerce, Regulierung) und sich sättigende Themen (z.B. Regulierung, Risikomanagement). Ganz anders das Bild vor 10 Jahren. Da standen betriebswirtschaftliche Fragestellungen noch hoch im Kurs. Wie sich die Zeiten (und Beratungsthemen) ändern

Fakt 4: Neue Wettbewerber drängen auf den Beratungsmarkt

Neben den vier großen Wirtschaftsprüfern hat das HBM Magazin weitere Wettbewerber für klassische Consultancies ausmachen können. Zum einen die Softwareanbieter, allen voran SAP. Das Walldorfer IT-Haus berät Kunden zunehmen in der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle. Zum anderen von Designunternehmen wie beispielsweise die Agentur Ideo. Mit Design Thinking, Agile und Lean Ansätzen will dieser neue Beratertypus ebenfalls ein Stück vom Consulting-Kuchen abschneiden.

Fakt 5: Kooperationsnetzwerke gewinnen an Stellenwert

Immer weniger Beratungsfirmen arbeiten klassisch hinter verschlossener Tür an den Problemstellungen des Kunden. Die Consultant organisieren sich. In Wertschöpfungsnetzwerken in denen – bedarfsorientiert und temporär – einzelne Experten eingeklingt und nach Projektende auch wieder ausgeklingt werden. Indes – so der HMB – bauen große Generalisten ihr Wissen selbst auf und sorgen dafür, dass ihre Mitarbeiter abteilungsübergreifend kooperieren.

Fazit

Zugegeben: Den Titel ‚Projekt Berater 4.0‘ des aktuellen HMB Magazins finde ich etwas übertrieben. Sicher: die Situation bei Kundenunternehmen ändert sich. Berater müssen auf die Fragen von Morgen bereits heute eine Antwort haben. Und mit (hochgejazzten) Konzepten wie Big Data und Industrie 4.0 jonglieren können.

Aber ist das bereits Disruption wie im Interview der bekannte Professor Clayton Christensen meint? Oder schlicht eine Evolution?

Klappern hat schon immer zum Handwerk gehört, nicht nur in den Verlagshäusern. Und auch Beratung wird es zukünftig (in mehr oder weniger transformierter Form) weiter geben.Beratungsbranche

> Weitere Artikel zur Beratungsbranche im durchaus lesenswerten Harvard Business Manager 03/2017*. Viel Spaß bei der Lektüre.

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