Durchschaut – Die Hierarchie einer Unternehmensberatung

Die Hierarchien von Beratungsunternehmen sind unübersichtlich. Viele Consulting-Firmen verwenden englischsprachige Begriffe für Ihre Stellen, Anzahl der Stufen und genaue Anforderungen für eine Beförderung unterscheiden sich. Der Beitrag erläutert Dir die typische Hierarchie in einer Unternehmensberatung. Somit findest Du Dich schnell in Deiner aktuellen Consultant-Rolle zurecht und weisst, welche Erwartungen an Dich auf welcher Stufe gestellt werden.

Hierarchie

Jeder Beratung ihre eigene Hierarchie

Der Aufbau von Unternehmensberatungen ist streng hierarchisch. Der Berufseinsteiger beginnt in der Regel auf der untersten Ebene. Mit der über die Jahre anwachsenden Berufserfahrung und der Erfüllung messbarer und qualitativer Anforderungen (z.B. Promotion oder MBA Ausbildung, absolvierte und/oder geleitete Projekte, Publikationen, Vorträge, Akquisition von Folgeprojekten und Neukunden) steigt der Jungberater auf. Dabei unterscheidet sich die Karriereleiter von Beratung zu Beratung (siehe Webtipp).

Obwohl von einigen Häusern offiziell abgestritten, sind ein Großteil der Consulting-Firmen pyramidenförmig aufgebaut. Je höher die Stelle, desto weniger Personen haben diese inne (siehe Webtipp). Gleiches gilt für das Gehalt und den Gestaltungsspielraum. Je tiefer in der Unternehmenspyramide, desto geringer das Gehalt und der relative Anteil am (dem Kunden in Rechnung gestellten) Tagessatz. Mit dem Aufstieg in der Hierarchie erhöht sich beides: Verantwortung und Vergütung.

In der Regel wird diese interne Struktur auch auf die Zusammenarbeit mit den Kunden übertragen. So interagieren Partner mit der (für die Beratung) höchsten Kundenhierarchiestufe, Junior Consultants mit der tiefsten.

Die 7 Hierarchiestufen einer Unternehmensberatung

Nachfolgend mein Versuch, etwas Ordnung in die uneinheitlichen Strukturen der Hierarchien bei Unternehmensberatungen zu bringen. Aufgaben, Anforderungen und Erfahrungsjahre variieren. Zum Beispiel bin ich im Anschluß an meine 4-jährige Promotion zum „Senior Consultant“, nach drei Jahren in dieser Rolle mit einem Arbeitgeberwechsel dann zum „Manager“ aufgestiegen.

1. Werkstudent/Praktikant  (Summer Associate, Career Starter)
Bereits während der Ausbildungsphase haben Studierende die Möglichkeit Praxisluft bei einer Unternehmensberatung zu schnuppern. Als Praktikant oder Werkstudent unterstützt man dann operativ bei der Abarbeitung von unternehmensinternen Aufgaben. Gelegentlich ziehen einen die Kollegen auch für die Zuarbeit von Kundenprojekten hinzu.

Wer plant Unternehmensberater zu werden, sollte bereits während der Studienzeit als Beraterpraktikant anfangen. Falls sich keine passende Gelegenheit in der freien Wirtschaft bietet empfehle ich, sich an einem wirtschaftsnahen Lehrstuhl an der Universität um eine Stelle als Hilfswissenschaftler zu bemühen.

2. Junior Consultant (Junior Analyst, Junior Fellow, Junior Associate)
Fällt der Entschluss direkt nach der Ausbildung den Beruf eines Beraters zu ergreifen, so ist auf dem ersten Stapel von Visitenkarten meist die Rollenbezeichnung „Junior Consultant“ zu finden.

Als Junior unterstützt man direkt bei Kundenprojekten, lernt Zusammenhänge und Prozesse von der Pieke auf kennen. Im Team ist er die Arbeitsbiene und schafft als unterster Festangestellter in der Hierarchie mühevoll die Kleinarbeit weg.

3. Consultant (Associate Consultant, Analyst, Fellow, Specialist)
Nach etwa ein bis zwei Jahren in der Praxiswelt (nicht zwingend bei einer Unternehmensberatung) erfolgt häufig der Ritterschlag zum Consultant. Mit dem Zuwachs an Erfahrung ist man nun schon vollständiger und selbstständiger Projektmitarbeiter.

Consultants erledigen die Basisarbeit in einer Unternehmensberatung, bilden zahlenmäßig meist den größten Anteil. Gleichzeitig ist diese Stufe in der Hierarchie auch ein Scheideweg: ein Teil entscheidet sich der Beratung treu zu bleiben, der andere Teil dieser den Rücken zuzukehren.

4. Senior Consultant (Senior Associate)
Nach mind. drei Jahren Consulting-Erfahrung kann sich zum Senior Consultant qualifiziert werden. Der Berater verfügt nun über genügend Erfahrung Teilprojekte zu leiten und dabei aktiv mit dem Kunden zu interagieren.

Die Zeitspanne, in welcher Du Senior Consultant bist, kann in der Praxis sehr stark variieren. Ich kannte Kollegen, die waren nach 12 Jahren immer noch Senior Berater, andere wechselten bereits nach 2 Jahren zum Manager. Die Gründe waren sicher bei der Person selbst aber auch in der Unternehmensberatung zu finden.

5. Manager (Case Team Leader, Engagement Manager, Leading Consultant, Project Manager)
Empfiehlt man sich durch erfolgreiche Projektleitung, Folgeaufträge und der Weiterentwicklung von Themen winkt die Beförderung zum Manager. Fünf Jahre Consulting-Berufserfahrung sollten es für diese taktisch operierende Stelle mindestens sein. Erworbenes Beraterwissen und Know-How soll nun bereits an jüngere Kollegen weitergegeben werden.

Zum Zeitpunkt der Redaktion dieses Beitrags arbeite ich als Manager. Im Vergleich zum Senior Consultant ist das Gehalt zwar gestiegen, gleichzeitig haben sich für mich aber auch spürbar die Anforderungen erhöht. Parallele Projekte, die Einweisung von Junioren, das Vorantreiben von Studien, etc. erfordern mehr Energie und Erfahrung.

6. Senior Manager (Principal, Managing Consultant, Junior Partner, Associate Partner, Vice President)
Mit höherer Stelle in der Hierarchie wächst auch die Verantwortung. Auf taktischer und strategischer Ebene leiten Senior Manager eigenverantwortlich Projektprogramme, treiben neue Themen, rekrutieren Jungberater und akquirieren bei Neu- und Bestandskunden. Voraussetzung sind mind. sieben Jahre Berufserfahrung.

Senior Manager sind alte Hasen in der Branche. In Sachen Consulting und Projektarbeit kann ihnen keiner etwas vormachen. Wenn Du nicht selbst Senior Manager oder Partner bist, versuche am besten von ihnen zu lernen. Hard- sowie Softskills beherrschen sie perfekt.

7. Partner (Managing Partner, Director)
Hauptaufgabe von Partnern ist die Vernetzung und Akquisition neuer Projekte sowie die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. Um die Bodenhaftung zur (Kunden-)Basis nicht zu verlieren arbeiten Partner aber auch weiterhin in Projekten, dort in leitender Rolle.

Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Höher kommt nur noch der Vorstand bzw. der Unternehmenseigentümer. Oder man macht etwas ganz anderes, gründet sein Start-up, wechselt an die Universität oder arbeitet als Angestellter in einem klassischen Unternehmen.

Fazit

Unternehmensberatungen unterscheiden sich stark im Namen und der Anzahl ihrer Hierarchiestufen, den Anforderungen einer Stufe sowie der Geschwindigkeit wie ein Berater von Stufe zu Stufe aufsteigen kann.

Neben einer offiziellen Struktur spielt nach meinen Erfahrungen die Firmenkultur eine wichtige Rolle. So gibt es Beratungen mit fast basis-demokratischen Ansätzen, bei welchen Partner auf Augenhöhe mit den Juniors diskutieren. Andere agieren streng in der Hierarchie, hier gibt der Senior den Ton an. Bei der Suche nach einem Consulting-Arbeitgeber sollte man sich als Berater klar darüber sein, welche Kultur mit den eigenen Werten am besten übereinstimmt.

> In welcher Stufe der Hierarchie steckst Du gerade? Und was machst Du hier für Erfahrungen? Hinterlasse ein Kommentar!

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