Business Garderobe

Style Check – die richtige Business Garderobe für Unternehmensberater

Unternehmensberater? Das sind doch die Herren in schicken schwarzen Anzügen mit teuren Krawatten und langen Mänteln. Stopp! 2018 greift dieser Stereotyp definitiv nicht mehr. Die Welt der Business Garderobe ist im Wandel. Nur wenige Berater tragen heute ausschließlich weiße bzw. blaue Hemden. Auch die Krawatte wird im B2B-Treiben immer seltener angelegt.

Zeit für einen Realitätscheck. Von der Frische des noch sehr jungen Jahres getragen, buchte ich dazu eine zweistündige Stil- & Garderobenberatung – Mitten im Herzen von München. In diesem Beitrag meine 10 wichtigsten Lektionen aus dem Treffen „Wenn ein Business/IT-Berater zum Stil-Berater geht.“. Viel Spaß!

Die richtige Business Garderobe für Consultants

Neues Jahr, neue Ziele. Nach meinem Rückblick auf das abgelaufene Jahr, nahm ich mir für 2018 vor, an meinen Berater Soft Skills zu feilen. Direkt im Januar startete ich mit einem Kernelement: der Business Garderobe. Dazu traf ich mich mit Nina Stowasser von Style Advisor in der Innenstadt Münchens. Nachfolgend meine Story, verpackt in 10 individuellen Lektionen aus der Praxis.

Business Garderobe

Lektion 1: Kleidung unterstützt das Erreichen von Lebenszielen

Bereits im Vorfeld unseres Treffens bittet mich mein Münchner Style Advisor Nina, ihr einige Fotos von mir mit meinem Business Outfit zuzusenden. Gesagt getan, und so werfe ich mich eines späten Winterabends Anfang Januar in fünf meiner Anzüge mit verschiedenen Hemden-, Gürtel- und Schuhkombinationen. Vor meinem Wandschrank wirken die Aufnahmen etwas blass. „Egal.“ denke ich „Ist für eine Stilberatung und nicht fürs Foto-Shooting.“. In voller Business Montur treffe ich zwei Tage später zur vereinbarten Zeit auf einer Münchner Einkaufsstraße zum Style Check ein.

„Wen berätst Du zu welchen Themen? Bei welchen Herausforderungen kommt ein Kunde zu Dir? Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?“ löcherte mich Nina direkt zum Auftakt unseres Style Meetings. Wow! Wir hatten kaum Platz genommen und dann solche Fragen? Ich dachte es geht um die Business Garderobe und nicht um persönliche Lebensplanung. Darum habe ich ja auch die Fotos geschossen. „Deine Kleidung wählst Du anhand Deiner Werte, Deiner inneren Einstellung und Deiner Ziele.“ klärt Nina auf „Du zeigst damit: Wer möchtest Du sein, was beabsichtigst Du zu erreichen und mit wem willst Du arbeiten. Das alles drückt sich in Deinem Outfit aus.“. Als erste Erkenntnis unseres Treffens halte ich auf meinem Notizblock fest:

> Kleidung unterstreicht die inneren Werte, Ansprüche und Absichten. Bewusst eingesetzt, sendet man mit einem gut gewählten Outfit starke Signale an den Beratungskunden.   

Lektion 2: Die Güte eines Beraters spiegelt sich auch in seiner Garderobe wider

In der Regel bin ich eine Garderobenklasse höher angezogen als mein Beratungskunde. Trägt dieser beispielsweise Jeans und Hemd, tauche ich im Anzug auf. Erscheint er im Business Suit, komplettiere ich mein Outfit um eine Krawatte. Bisher hat das gut funktioniert. Vom Style Advisor möchte ich nun wissen, ob ich mit dieser Taktik richtig fahre.

Nina nickt und präzisiert: „Als Consultant einer kleinen bzw. mittelständischen Beratung bist Du eine Persönlichkeit. Du strahlst Vertrauen, Kompetenz und Sympathie aus. Das sollte sich auch in Deiner Kleidung widerspiegeln.“. Nina detailliert weiter: „Je höher Du beim Kunden beraten möchtest, desto mehr sollte dies auch Deine Kleidung signalisieren. Nicht nur Dein Wissen, sondern auch Deine Garderobe kommunizieren Stil und Qualität.“. Okay, denke ich – wieder etwas gelernt. Ich kritzle auf meinen Block:

> Der vom Kunden wahrgenommener Wert eines Beraters wird neben der Expertise des Consultants auch durch seine Kleidung definiert.

Lektion 3: Jedes Ereignis hat seine passende Kleidung

Mental gehe ich meinen Kleiderschrank durch: weiße Hemden, gestreifte Hemden, karierte Hemden, geblümte Hemden – eine ganze Palette von unterschiedlichen Oberteilen. Meist ziehe ich für einen Tag beim Kunden das an, worauf ich am Morgen Lust habe. Hatte ich mich bis dato geirrt?

„Wichtig ist, dass Du Dich in Deiner Bekleidung wohl fühlst.“ beruhigt mich Nina und fügt hinzu „Bei Hemden gilt: je mehr Karomuster, desto sportlicher. Einfarbige bzw. gestreifte Oberteile sind etwas für konservative Geschäftstreffen in denen es um harte Fakten geht. Gepunktete Hemden wiederum wirken vielmehr verspielt und kreativ. Ich würde ein solches Oberteil beim Brainstorming oder einer Strategiesitzung anlegen.“. Fleißig halte ich auf meinem Block die vielen Infos mit. Nina fährt fort: „Bei Dir fehlt mir auf den Fotos noch etwas Farbe. Etwas Spritziges. Ich kann mir da beispielsweise ein festes Einstecktuch vorstellen, Manschettenknöpfe oder einen andersfarbigen Hemdkragen. Damit signalisierst Du, Offenheit, Mut und Ideenreichtum.“. Ich notiere mir die dritte Lektion unseres Treffens:

> Statt langweilig Schwarz-auf-Blau darf man in Sachen Kleidung auch Akzente setzen – ein individueller Touch, ein bemerkenswerter Aspekt – etwas, das positiv aus der Personenmenge hervorsticht.

Lektion 4: Gute Schuhe gibt es nicht zum Schnäppchenpreis

Seit Jahren trage ich schwarze Business Schuhe, wechsle ein Paar im Jahresrhythmus aus. Preislich rangiert mein Schuhwerk mit rund 150 Euro im Mittelfeld. Von Nina möchte ich wissen, was es in Sachen Schuhe zu beachten gibt.

„Nutze bei Deinen Business Schuhen unbedingt hölzerne Schuhspanner. Diese halten das Schuhwerk in Form und nehmen den Schweiß auf.“ beginnt sie und geht in die Details: „Am besten Du hast zwei Paare im Schrank stehen, die Du abwechselnd trägst. Dann ruht sich das eine Paar aus oder trocknet nach einem Regentag ab.“. Ich nicke und Nina berichtet weiter „Gute Herrenschuhe kosten 150 Euro aufwärts. Dafür hält ein Paar dann auch 2 bis 3 Jahre – regelmäßiges Putzen vorausgesetzt.“. 200 Euro fährt es mir durch den Kopf. Das ist kein Pappenstiel. Auf der anderen Seite sind die Schuhe dann auch mindestens doppelt so lange im Einsatz. Nina fügt hinzu: „Bei Dir kann ich mir auch braune Schuhe vorstellen oder solche mit Schnallen statt Schleifen. Bei Deinen langen Füssen passt das gut. Außerdem geben sie Dir wieder das gewisse Etwas.“. Ich ergänze:

> Gute Herrenschuhe starten bei 150 Euro und können bei stetiger Pflege mindestens zwei Jahre getragen werden. Vorzugsweise hat man zwei Paare im Schrank stehen, die man abwechselnd trägt.

Lektion 5: Geldbeutel und Smartphone gehören nicht in die Anzugtaschen

Nina bedeutet mir aufzustehen, um den Sitz meines blauen Geschäftsanzugs zu prüfen. Ich erhebe mich und schließe die Knöpfe meines Sakkos. Den unteren lasse ich offen, wie es sich gehört. Ich merke wie mein Style Advisor ihre Miene verzieht. Verwirrt richte ich mein Blick vom Spiegel zu Nina.

„Geldbeutel, Schlüssel und Handy gehören nicht in die Hosentaschen.“ informiert mich Nina und ergänzt: „Das beult die Kleidung aus und macht irritierende Geräusche, wenn Du Dich bewegst. Schlüssel und Portemonnaie in die Aktentasche, Smartphone ins Sakko. Das passt.“. Ich präge mir ein:

> Telefon ins Sakko, alles andere raus aus den Taschen. So hängt und klimpert nichts, wenn man vor dem Kunden am Flipp Chart steht.

Lektion 6: Business Anzug und Rucksack passen nicht zusammen

Ich deute auf meinen dunkelgrauen Business Rucksack. Da ich zu Münchner Kunden regelmäßig auch mit Fahrrad unterwegs bin, finde ich die Rückentasche sehr praktisch. Der Rucksack hat viele verschiedene Fächer und trägt sich sehr angenehm. „Schickt sich ein Business Backpack denn für Consultants?“ hake ich etwas zaghaft bei Nina nach, insgeheim hoffend, dass meine aktive Tragetasche bei ihr durchgeht. Doch diese reagiert ernst:

„Business Anzug und Rucksack passen nicht zusammen. Du bist Berater, da gehört sich eine schicke Tasche, am besten aus Leder. Gerne kann diese einen Riemen zum Umhängen haben.“. Nina fährt fort: „Auf Reisen kannst Du einen schwarzen Rucksack nutzen, da versteht auch jeder Deinen Kontext. Vor Ort aber bitte die Geschäftstasche.“. Ich notiere auf meinem Zettel: Lederne Tasche mit Trageriemen beschaffen. Diese muss Platz für einen Laptop und das Netzteil bieten. Zudem halte ich fest:

> Rucksäcke trägt man in der Freizeit, nicht im Consulting. Zum Business Outfit gehört eine Geschäftstasche.

Lektion 7: Die Farbe der Socken gleicht den Schuhen oder dem Anzug

Im Regelfall trage ich braune Herrenschuhe und einen schwarzen Gürtel. Meine Socken sind auch stets schwarz. Das erspart mir früh Arbeit. Ich greife ins Socken- und Gürtel-Fach und habe immer die richtige Farbe. „Passt schwarzer Gürtel, Socken und Schuhe in jedem Fall zusammen?“ wende ich mich an Nina. Diese lächelt und verfeinert.

„Gürtel und Schuhe sollten einen möglichst identischen Farbton besitzen. Sind Deine Schuhe braun, dann auch Dein Gürtel. Wichtig ist, dass beides – Schuhwerk und Gurt – keine Abnutzungsspuren aufweisen.“. Ich nicke. Mein Gürtel ist an der Schnalle etwas eingekratzt. Ihn werde ich demnächst auswechseln. Nina fährt fort: „Die Socken können die Farbe des Anzugs oder der Schuhe haben. Für Deinen dunkelblauen Anzug empfehle ich Dir dunkelblaue Socken. Bei Deiner grauen Kombination solltest Du graue Socken bzw. für Deinen schwarzen Business Suit auch schwarze Socken tragen.“. Ich ergänze meine Einkaufsliste. Zukünftig werde ich beim Sockenkauf folgende Merkregel beherzigen:

> Die Business Strümpfe kauft man in den Farben der Anzüge und alternativ in den Farben der Schuhe.

Lektion 8: Viele kleine Details machen den Unterschied

Hemden, Anzüge, Frühjahrs-/Winter/Regenmäntel, Socken, Krawatten, Anstecktücher, Schuhe, Taschen – das alles haben wir nach 90 Minuten besprochen. Ich kenne jetzt geeignete Maße für meine Statur. Zudem sind mir die am Markt üblichen Preisstaffelungen sowie empfehlenswerte Markenhersteller von Business Garderobe bekannt. Genau der richtige Moment, jetzt etwas auf die Outfit-Pflege einzugehen. Ich frage Nina, was es da zu beachten gibt.

„Anzüge solltest Du regelmäßig zur Reinigung bringen.“ berichtet mein Advisor. „Insbesondere die Hosen. Achte darauf, dass die Farbtöne von Ober- und Unterteil bei unterschiedlicher Waschfrequenz identisch bleiben.“. Ich bejahe und Nina fährt fort: „Bei Hemden erkennst Du am Kragen und an den Spitzen, ob sie ersetzt gehören. Bei Anzügen zeigen sich die Verschleißspuren am Sitzbereich und den Unterarmen. Bitte tausche defekte Garderobe aus. Insbesondere wenn die Stoffe Risse bzw. Löcher haben.“. Nina ergänzt einen letzten Satz der sich bei mir einbrennt: “ Bei Business Kleidung sind es die vielen Kleinigkeiten, die zählen. Allein ist eine Schwäche zu verkraften, in Summe machen alle Schwächen jedoch einen großen Unterschied.“. Ich fasse für mich zusammen:

> Bei der Business Garderobe ist der Gesamteindruck entscheidend. Die verschiedenen Elemente müssen tipptop Qualität besitzen und aufeinander abgestimmt sein.

Lektion 9: Für gute Kleidung zum fairen Preis muss man nicht zum Outlet fahren

Rund 45 Fahrminuten nördlich von München befindet sich das Ingolstadt Village. Das ist ein Outlet, in dem Kunden unter anderem Business Garnitur kaufen können. Das Village – wie es unter den Münchnern genannt wird – verspricht Preisvorteile bis zu 80 Prozent. Ich spreche Nina auf das Outlet an. „Lohnt sich das Shopping dort?“ möchte ich wissen.

Sie relativiert: „Bedenke die lange Anreise zu Outlets wie dem Ingolstadt Village. An einem normalen Samstag mit viel Reiseverkehr gehen da locker zwei Stunden An- & Abfahrt drauf. Meist findest Du in solchen Shops nur Abverkaufsware, die in der Saison nicht gut lief. Attraktive Preise bekommst Du auch hier in der Innenstadt zu Sales Perioden.“. Ich halte fest:

> Outlets nur, wenn man gerade in der Nähe ist. Und dann nur für Sportklamotten. Business Garderobe kauft man besser im Fachgeschäft.

Lektion 10: Der eigene Garderobenstil entwickelt sich stufenweise

Wir sind fast am Ende meines Outfit Style Checks. Nachdem mich Nina zu meiner aktuellen Garderobe beraten hat, präsentiert sie mir eine Auswahl möglicher Kleidungskombinationen. Ich notiere, dass ich von jetzt bevorzugt feste Materialen kaufen werden. Auch werde ich bei den Hemden auf extra lange Arme achten und bewusst einen Kontrast zum Sakko herstellen. Insbesondere bei Vorträgen mit physischer Distanz zum Publikum entfalten Kontraste in der Kleidung eine starke Wirkung. Nina hat noch einen letzten Rat.

„Die Entwicklung des persönlichen Kleidungsstils erfolgt entlang von Stufen.“ erklärt sie und klärt auf „Im Anschluss zum Studium bist Du erst einmal froh, dass Du einen passenden Anzug gefunden hast. Später ändert sich die Lebenssituation. Du möchtest Dich weiterentwickeln. Heute haben wir die Basics geklärt. Nach diesem Treffen und dem schrittweisen Auswechseln Deiner Kleidung wirst Du das nächste Plateau erreichen.“. Ich bin wieder eine Erkenntnis reicher. Ganz unten auf meinem Blatt Papier notiere die letzte Lektion für heute:

> Der persönliche Kleidungsstil entwickelt sich Plateau für Plateau weiter. Vom Verkauf von Kleidung unabhängige Berater können helfen, die nächste Stufe zu erreichen.

Fazit

Puh! Zum einen sind die zwei Stunden Stilberatung wie um Flug vergangen. Zum anderen bin jetzt auch erst einmal geschafft von Ninas zahlreichen Infos und Ratschlägen. Neben den notierten Lektionen habe ich eine Einkaufsliste im Gepäck. Schrittweise – Kleidungsstück um Kleidungsstück – werde ich über die Folgemonate meine Business Garderobe optimieren und aufwerten. Und auf diese Weise die Professionalität, Expertise und Qualitätsanforderungen meiner Beratungsleistung unterstreichen.

2 Kommentare

  • Jan

    Ein wirklich lesenswerter Artikel – werde nach dem nächsten Gehaltseingang wohl auch wieder shoppen gehen müssen 😉

    Verrätst du noch, welche Tipps dir Nina zum Thema Mäntel gegeben hat? Und gibt es Schuhvarianten, die man besser meiden sollte? Ich stehe immer mal wieder vor der Überlegung Budapester anzuziehen, frage mich aber zu welchem Anlass die vielleicht zu ausgefallen sein könnten.

    • Hallo Jan, danke für Dein Kompliment. Das Thema „Mäntel“ haben wir tatsächlich nur gestreift. Nina empfahl einen Wintermantel sowie einen dünneren Herbst/Frühlingsmantel. Für längere Wege unterwegs bei Nässe kommt ein Regenmantel ins Spiel. Abgeraten hat sie von Jacken, unabhängig davon ob diese elegant oder sportlich daherkommen. Mäntel dagegen können schon etwas auffallen. Im Frühling werde ich mir einen dünnen Mantel in sand-/grauton zulegen. Das ist etwas ausgefallener als mein schwarzer Wintermantel und passt zu meinem Typ.

      Viele Grüße, Christopher

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