Die 7+3 (in)offiziellen Rollen eines Unternehmensberaters

Was macht eigentlich ein Unternehmensberater den ganzen Tag? Diese, zugegeben etwas provokative, Frage stellten mir Freunde und Bekannte 2008 als ich meine Consulting-Laufbahn in der Automobilindustrie begann. Damals murmelte ich die Begriffe Projekt, Prozess und IT-System ohne damit eine klare Antwort zu liefern. Heute weiß ich über die offiziellen und geheimen Rollen eines Unternehmensberaters Bescheid. Im Beitrag erhältst Du die Antworten, welche ich 2008 als Jungberater gebraucht hätte.

Rollen eines Unternehmensberaters

Die sieben offiziellen Rollen eines Unternehmensberaters

Consultants sind eingekaufte Agenten des Wandels. Sie planen, implementieren, leiten, begutachten, trainieren und coachen Änderungen die sie an der Organisation, ihren Prozessen sowie den IT-Systemen durchführen. Vom Kunden für eine zeitlich befristete Zusammenarbeit beauftragt, füllen Berater dabei unterschiedliche Rollen aus. Welche ich regelmäßig in der Praxis einnehme und in Projektteams antreffe, habe ich nachfolgend zusammengefasst.

1. Konzeptentwickler 
Hauptaufgabe des Konzeptentwicklers ist die Ausarbeitung, Analyse und Evaluierung von Modellen und Methoden zur Lösung eines Kundenproblems. Die erarbeiteten Lösungsalternativen sind nicht zwangsläufig abstrakt und praxisfremd. Im Gegenteil. Oft bilden sie die Basis (bzw. zumindest den Rahmen) einer internen Entscheidung, eines konkreten Umsetzungsplans oder eines zu ändernden Geschäftsprozesses. Konzeptentwickler verfügen über einen großen Methodenkoffer und sind häufig auf eine Branche oder einen Unternehmensbereich spezialisiert.

2. Implementierer
Als Implementierer ist man Macher. Gefasste Pläne und Konzepte werden in die Realität umgesetzt, Ergebnisse endlich auf die Straße gebracht. Böse Zungen behaupten, dass es sich um bei dieser Rolle um ‚Body Leasing‘ handelt. Andere sprechen von der ‚Helfenden Hand‘ welche an der richtigen Stelle im Projekt entlastet. Implementierer sind praxisbezogen, bringen bei ihrer Umsetzungsarbeit ihre Erfahrungen und Fachwissen der jeweiligen Fachdomäne mit ein.

3. Manager & Leiter 
Der Manger führt temporär den Betrieb, oder alternativ, steuert als ein Änderungsprojekt im Unternehmen. Neben fundiertem Sachwissen verfügt der Berater in dieser Rolle über Sozial- und Führungskompetenz, ist organisationsstark und hat über die Jahre einen großen Erfahrungsschatz angesammelt. Manager und Leiter sind teamorientiert und lieben Begriffe wie “Management by“, Führung und Leadership.

4. Gutachter
Gutachter bewerten den aktuellen Zustand auf fachlicher, technischer und rechtlicher Ebene und (geben mehr oder weniger) konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Situation. Sie treten entweder zu Beginn eines Projektes oder begleitend zu einer Initiative auf den Plan. Trotz ihrer (zumindest offiziell) neutralen Position, sind Gutachter nicht immer gern gesehene Projektgäste. Vorgeworfen wird ihnen ihre permanente Kritik am Ist sowie ihr fehlender Beitrag zum Projekt.

5. Trainer
Ein Trainer vermittelt Wissen und Fähigkeiten an Gruppen oder einzelne Individuen. Und zwar nicht nebenbei in der Kaffeeküche sondern ganz bewusst im offiziellen Rahmen. In der Rolle des Trainers ist man sowohl didaktisch fit als auch sozial kompetent. Das Gros der Wertschöpfung liegt im Design, Durchführung und Evaluierung von Schulungen. Trainiert werden kann dabei (fast) alles auf allen Unternehmensebenen. Das beginnt mit der operativen Nutzung eines IT-Systems und endet mit den „Most essential CEO soft skills“ des 21. Jahrhundert.

6. Coach
Hauptaugenmerk des Coachs ist die Weiterentwicklung von einzelnen Personen und ganzen Teams. In der Rolle agiert der Consultant als ‚Sparringspartner‘ für den Kunden, reflektiert gemeinsam und auf Augenhöhe zu harten und weichen Herausforderungen im Unternehmen. Coachs sind Menschenkenner, angesiedelt zwischen Fachexperte und Projektpsychologe. Ihr Portfolio besteht aus den gängigen Methoden der Personendiagnose und –entwicklung die sie aus dem FF kennen.

7. Mediator
Die positive Gestaltung von unternehmensinternen und externen Beziehungen ist das Brot- und Buttergeschäft des Mediators. In der Wirtschaftsmediation handelt es sich oft um die Lösung eines Konflikts, z.B. zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter oder Auftraggeber und Lieferant. Ein Mediator ist feinfühlig, weiß um den Menschen im organisatorischen Gefüge.

Die drei geheimen Sonderrollen des Berateres

Wer glaubt mit den oben geschilderten Rollen lässt sich das Aufgabenspektrum eines Unternehmensberaters vollständig erfassen der irrt. Wie Dr. Robert Paust in seiner als Buch veröffentlichten Dissertation Versteckte Rollen externer Unternehmensberater* empirisch nachgewiesen hat, schlüpfen Consultants ab und zu auch in die folgenden Sonderrollen (siehe auch Webtipp).

8. Souffleur
Agiert ein Berater als Souffleur liefert er dem Kunden Informationen, Wissen und Erfahrung. Diese verkauft der Client als seine eigenen. Nicht notwendigerweise betreffen die gegebenen Tipps und Hinweise das beauftragte Projekt. Auch bei Problemen in andere Berufs- und Privatbereichen hilft der Consultant als loyaler Zuflüsterer im Hintergrund, steht mit Lebensrat und Beratertat zur Seite.

9. Strohmann
Im Gegensatz zum Souffleur kann ein Berater auch als Strohmann handeln, d.h. die Ideen des Kunden als die eigenen verkaufen. Durch den zugekauften Lobbyismus erspart sich der Client unangenehme Situationen und schützt sein Image im Unternehmen. Die schlechte Botschaft überbringt der Berater, gute Nachrichten werden hingegen vom internen Chef weitergeleitet.

10. Sündenbock
Manövriert sich das Beratungsprojekt in Schieflage oder bleibt der erhoffte Erfolg aus, dann findet sich ein Berater manchmal ungewollt in der Rolle des Sündenbocks wieder. Warum auch nicht, schließlich wollte der Kunde mit der externen Kraft ja ein Scheitern des Vorhabens verhindern. Das die finale Entscheidung intern getroffen wurde und der Berater diese nur begleitet hat, gerät dabei schnell in Vergessenheit. Leider ist es für Consultants schwierig diese Rolle auch wieder abzustreifen.

Fazit

Analog der Verschiedenartigkeit der Projekte gestalten sich auch die Rollen eines Unternehmensberaters unterschiedlich. Häufig übernimmt der Consultant im Projekt mehr als ein Profil. So agiert er zum Beispiel zum Start als Konzeptentwickler, danach als Ergebnisimplementierer und schließlich als Trainer der Änderungen. Handelt ein Jungberater mangels Erfahrung meist in der Rolle des Implementierers, so wirkt sein Seniorkollege eher als Projektleiter oder Coach beim Kunden. Unabhängig ihres Alters und der vorliegenden Aufgaben: erfolgreiche Berater kennen ihre Rolle gut und füllen diese aktiv aus.

>Welche Rolle übernimmst Du regelmäßig als Berater? Hast Du für diese Tipps und Hinweise? Nutze die Kommentarfunktion und lass es uns wissen!

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